Wirbelsäule
Wirbelsäulenerkrankungen
und deren Behandlungen
Wirbelsäulen-Erkrankungen sind ein Volksleiden. Fast drei Viertel aller Deutschen leiden darunter. Damit sich die Erkrankung nicht zu einem Dauerleiden entwickelt, ist eine rechtzeitige Behandlung wichtig. Denn je länger Wirbelsäulenbeschwerden bestehen, um so schwieriger wird die Diagnose und um so komplexer wird das Krankheitsbild.
Die Wirbelsäule ist das zentrale Element im Skelettsystem. Sie bildet nicht nur die knöcherne Mitte des Körpers, sie verbindet auch alle anderen Teile des Skeletts miteinander. Kopf, Brustkorb, Arme, Becken und Beine sind direkt oder indirekt mit der Wirbelsäule verbunden. Auch bei der Steuerung und Übermittlung von Reizen aus der Umgebung spielt die Wirbelsäule und das in ihrem Inneren liegende Rückenmark eine zentrale Rolle.
Aufbau der Wirbelsäule
Von oben nach unten wird die Wirbelsäule in 5 einzelne Abschnitte unterteilt: Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein und Steißbein. Jeder einzelne Abschnitt setzt sich aus einzelnen Wirbeln zusammen:
- 7 Halswirbel
- 12 Brustwirbel
- 5 Lendenwirbel
- 5 Kreuzbeinwirbel
- 5 Steißbeinwirbel
Zählt man alle Wirbel zusammen, so sind das 34 Wirbel.
Im folgenden wollen wir Ihnen häufige Beschwerdebilder und Krankheiten kurz darstellen – abschließend ein paar nützliche Alltagstipps geben.
Selbstverständlich kann das den Arztbesuch nicht ersetzen!
Wenn Sie Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule, z.B. einen Hexenschuss, Kreuzschmerzen, Ischias haben, die länger als 2–3 Tage anhalten, versäumen Sie nicht, uns sofort aufzusuchen. Chronische „Wirbelsäulenschmerzen“ sollten vermieden werden.
Mögliche Erkrankungsformen:
Wirbelgleiten
In der Jugendzeit kann man durch verschiedene Ursachen im Bereich der Wirbelbögen, insbesondere an der unteren Lendenwirbelsäule, eine Strukturauflösung in Knochenanteilen bekommen. Wenn diese beidseitig vorhanden ist, kann ein Abgleiten des darübergelegenen Wirbels mit der Wirbelsäule eintreten. Das hört sich zwar sehr eindrucksvoll an, muß aber nicht schwerwiegend sein. Dieses Wirbelgleiten (Spondylolysthesis) hat man z.B. gehäuft bei kindlichen – jugendlichen – Hochleistungsturnerinnen gesehen, die in sehr starkem Maß und in enormer Vielzahl extreme Vor- und Rückneigungen des Körpers ausführen müssen.
Bandscheibenvorfall
Die Bandscheiben, auch Zwischenwirbel genannt, sind Knorpel, die sich als Bindeglieder zwischen den Wirbelkörpern befinden. Sie machen rund ein Viertel der gesamten Wirbelsäulenlänge aus. Die Knorpel bestehen jeweils aus einem Faserring und einem Gallertkern. Während der Faserring mit dem Wirbelkörper verwoben ist und dadurch die Wirbelsäule kräftigt, hat der weiche Gallertkern die Funktion eines Kissens, das Stöße abfängt und Druck ausgleicht.
Im Verlauf eines Tages werden die Bandscheiben interessanterweise vorübergehend schmaler, weil sie durch die Tagesaktivitäten hoher Belastung ausgesetzt sind. Deswegen ist der Mensch abends ungefähr zwei Zentimeter kleiner als am Morgen.
Im fortgeschrittenen Alter verändern sich die Bandscheiben (Wasserverlust), was bei vielen Menschen Rückenschmerzen auslöst. Tauchen diese Schmerzen schon in einem früheren Stadium auf, so kann es sich um eine verschobene Bandscheibe handeln, hervorgerufen etwa durch ungewohnte Bewegungen oder starke Belastungen – beispielsweise, wenn jemand, der nicht daran gewöhnt ist, ruckartig eine schwere Bierkiste anhebt.
Auslöser für den akuten Bandscheibenvorfall ist meist eine ruckartige Bewegung oder schweres Heben. Als primäre Ursache liegt jedoch in der Regel altersbedingter Verschleiß oder eine angeborene Schwäche des Bandscheibengewebes zugrunde. Die Bandscheibe ist ein weicher elastischer Ring, der als Pufferkissen zwischen den einzelnen Wirbeln liegt. Bei einem akuten Vorfall wölbt sich die Bandscheibe nach hinten und übt dadurch einen schmerzhaften Reiz auf die umliegenden Nervenwurzeln aus.
Zeigt sich durch konservative Therapie (z. B. Akupunktur, Physiotherapie oder Medikamente) keine Besserung, stehen moderne Operationstechniken zur Verfügung, um die eingeengte Nervenwurzel zu entlasten.
Osteoporose
In Deutschland leiden bereits 5 – 7 Millionen Menschen an Osteoporose. Erklärtes Ziel ist es, die Verhinderung dieser chronischen Krankheit bereits in jüngeren Jahren durch eine sachgerechte Therapie vorzubeugen. Für die bereits eingetretene Osteoporose stehen heute wirksame Medikamente für die Behandlung zur Verfügung.
Krankheitsanzeichen
Knochenbrüche bei leichten Unfällen sind ein Zeichen dafür, dass eine Osteoporose vorliegen könnte.
Für die Osteoporose typisch sind Wirbelkörperbrüche. Sie führen zu akuten Rückenschmerzen. Als Ursache werden Anheben gar nicht schwerer Lasten, Abrutschen von einer Stufe, Ausrutschen u. Ä. angegeben.
Ein Zusammensintern von Wirbelkörpern kann auch schleichend und fast schmerzlos erfolgen – die Abnahme der Körpergröße von mehr als 3 – 4 cm ist daher auch osteoporoseverdächtig.
Brüche des Oberschenkelhalses (besonders typisch für ältere Menschen) werden häufig durch Sturz auf die Seite verursacht.
Rippenbrüche können beim Husten entstehen, osteoporosetypische Handgelenksbrüche durch Abstützen bei einem drohenden Sturz.
Ursachen der Erkrankung:
Frauen leiden häufiger an Osteoporose als Männer, da mit den Wechseljahren die Östrogene als ein Schutzfaktor des Knochens ausfallen.
Wichtige Risikofaktoren bei Frauen und Männern sind:
- erbliche Belastung
- Einnahme von Cortison-Präparaten über längere Zeiträume
- calciumarme und zu phosphatreiche Ernährung
- Verdauungsstörungen mit chronischen Durchfällen
- Vitamin D-arme Lebensweise
- mangelnde Bewegung
Daneben können Hormonstörungen, Darm-, Leber-, Nieren- und auch Tumorerkrankungen das Krankheitsbild einer Osteoporose erzeugen (sogenannte sekundäre Osteoporosen).
Beim Mann kann eine Unterfunktion der Hoden (sog. Hypogonadismus) zur Osteoporose führen.
Behandlungsmöglichkeiten:
Welches Präparat zum Einsatz kommt hängt davon ab, in welcher Situation des Knochenstoffwechsels ein Knochenbruch zur Diagnose führt.
In jedem Falle sollten die typischen Osteoporose-Medikamente von einer ausreichenden Calcium- und Vitamin D-Zufuhr und sportlicher Bewegung mit Muskelaufbau begleitet sein.
Die Beurteilung des Therapieeffektes durch den Arzt erfolgt mittels Knochendichtemessung, durch Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule und ggf. auch durch die Messung des Knochenumsatzes.
Chirurgische Eingriffe:
Versteifungsoperationen an der Lendenwirbelsäule:
In fortgeschrittenen Stadien der Degeneration der Lendenwirbelsäule ist eine bewegungserhaltende Maßnahme nicht mehr sinnvoll, da infolge der multifaktoriellen Veränderung nicht mit einer Linderung der Symptomatik zu rechnen ist. In diesen Fällen muss nach reiflicher Überlegung entschieden werden, ob eine Versteifungs-Operation ggf. in Verbindung mit einer Freilegung der nervalen Elemente sinnvoll ist. Für die Entscheidung zur Operation sind zusätzliche Untersuchungen notwendig: Kernspintomographie und Funktions-Myelographie (Kontrastmittel-Darstellung des Wirbelkanals unter Belastungsbedingungen).
Die Versteifungs-Operation kann sowohl nur von einem hinteren als auch kombiniert mit einem vorderen Zugang durchgeführt werden. Wir sind bestrebt, möglichst wenig traumatisierend vorzugehen. Nach Möglichkeit wird die Versteifung nur durch einen hinteren Zugang unter gleichzeitiger Freilegung der dafür verantwortlichen Segmente sowie auch nervalen Elemente durchgeführt. Durch spezielle Titan-Implantate, die körperfreundlich und nicht allergen sind, können die Wirbelkörper abgestützt werden, wobei Titan-Blöckchen anstelle der Bandscheibe platziert werden. Darüber hinaus werden durch Schrauben und Stäbe die Wirbel miteinander von hinten fixiert und in einer besseren Position fest gemacht, die dann später auch in Bezug auf die Belastungssituation günstig sein soll.
Im Regelfall wird nach einer solchen Maßnahme der Patient schon am ersten postoperativen Tag voll mobilisiert, wobei meistens keine zusätzliche Versorgung mit Mieder oder Korsett erforderlich ist
Weichteilrheuma:
“Weichteilrheuma” ist keine Diagnose, sondern ein Oberbegriff für eine ganze Reihe von rheumatischen Erkrankungen, die sich in erster Linie nicht an den Gelenken oder dem Gelenkknorpel (“Gelenkrheuma”), der Wirbelsäule (“Wirbelsäulenrheuma”) oder anderen knöchernen (“harten”) Strukturen abspielen, sondern an “weichen” Strukturen wie z.B. dem Unterhautfettgewebe, dem Kapsel-Band-Apparat, den Sehnen oder der Muskulatur. Bei Weichteilrheuma gibt es entzündliche und nicht-entzündliche Erkrankungen.




