Akupunktur
Akupunktur in unserer Praxis
Einer chinesischen Sage nach ist die Entdeckung der Akupunktur einem Zufall zu verdanken: Ein Soldat wurde von einem Pfeil leicht verletzt und stellte in der Folgezeit verblüfft fest, dass nicht nur seine Wunde heilte, sondern auch eine organische Erkrankung, die ihn zuvor geplagt hatte.
So viel zur Mythologie.
Das Qi
Nach der chinesischen Lehre fließt die Lebensenergie Qi in definierten Energiebahnen – den so genannten Meridianen – durch den Körper. Auf den Meridianen befinden sich die Akupunkturpunkte, durch deren Reizung man den Energiefluss regulieren kann: Ein Zuviel an Energie wird gedämpft, ein Mangel behoben, Blockaden werden gelöst. s.u.
Eine Schwäche des Qi führt zu einer Mangelfunktion der entsprechenden Organe (Beispiel: Verdauungsstörungen). Typische Schwächesymptome sind Müdigkeit und verminderter Aktivität, Blässe, kalte Hände und Füße, übermäßiges Frieren, niedriger Blutdruck – bis hin zu depressiven Verstimmungen und Antriebsmangel.
Eine Fülle (d.h. Überfülle) der Lebensenergie bewirkt eine überschießende Funktion der entsprechenden Organsysteme. Wichtige Symptome: Fülle- und Spannungsgefühl, Blutfülle, Rötung, akuter, stechender oder krampfartiger Schmerz – oder im psychischen Bereich innere Unruhe, Nervosität und Übererregung. Hauptsymptom ist die Hitze – ob nur auf eine Körperstelle (z.B. Gelenk) beschränkt oder in Form von Fieber.
Stagnationen oder Blockaden der Lebensenergie treten überwiegend in der Peripherie des Körpers auf. Als Folge kommt es meist zu Füllezuständen wie Muskelverspannungen, Muskelschmerzen, Myogelosen und eingeschränkter Beweglichkeit. Auch Kopfschmerzen gehen häufig auf eine Blockade zurück.
Störungen vom Fülle- oder Schwächetyp findet man entweder in den Meridianen oder in den Organen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Schwächung des Yang (hier: Funktion) oder des Yin (hier: Struktur, Substanz) der Organe.
Der Arzt reizt mit der Akupunkturnadel genau den Punkt, der über Meridiane mit der erkrankten oder schmerzenden Körperstelle verbunden ist. Der Reiz löst Impulse aus, die wiederum über die (durch Synapsen verbundenen) Nervenfasern an die Hinterhornneurone weitergeleitet werden und deren elektrische Erregbarkeit reduzieren oder sogar blockieren und damit das Schmerzempfinden beeinflussen.
Bei einer Akupunktursitzung liegt der Patient entspannt auf einer Liege. Nach Erhebung der Krankengeschichte bestimmt der Arzt die relevanten Akupunkturpunkte. Dort wird die Akupunkturnadel gesetzt und gegebenenfalls zusätzlich stimuliert.
Der Einstich selbst ist bei professionellem Vorgehen fast schmerzfrei. Häufig ist er gefolgt von einem leichten Schwere-, Wärme- oder Druckgefühl, in Einzelfällen auch einem leichten Gefühl der “Elektrisierung”. Nach einigen Minuten entspannt sich der Körper, Arme und Beine fühlen sich schwerer an. Viele Patienten berichten über ein “Gefühl des Fließens” im Körper – zunächst im Kopf und Brustkorb, dann auch in den unteren Körperregionen -, das von einer Sitzung zur anderen stärker empfunden wird. Diese Empfindungen interpretieren die Chinesen als Ausdruck des Qi-Flusses.
Förderlich für den Therapieerfolg ist es, wenn der Patient tief und ruhig atmet und “loslässt”: Das versorgt den Körper mit mehr Sauerstoff und löst Spannungen. Als Teil dieser Entspannung können Empfindungen wie Zittern, Kribbeln, Kälte- oder Hitzegefühle, Schwindel auftreten, manchmal auch Emotionen wie Traurigkeit, Wut oder Unruhe. Patienten sollten diese Gedanken und Emotionen an sich “vorüber ziehen” lassen und sich auf das “Wegfließen des Schmerzes” konzentrieren.
Akupunktursitzungen werden bei akuten Erkrankungen relativ häufig durchgeführt (bis zu einmal täglich), bei chronischer Erkrankung meist zweimal pro Woche (6 bis 10 Wochen lang). Eine Sitzung dauert zwischen 20 und 45 Minuten. In der Regel sind bei akuten Erkrankungen 3-6 Sitzungen, bei chronischen 12 – 20 Sitzungen erforderlich. Eine Auffrischbehandlung kann erforderlich sein.
Die Akupunkturbehandlung wird von den meisten privaten Krankenkassen bezahlt. Gesetzlich versicherte Patienten erhalten Akupunktur nur bei chronischen Knie- und Lendenwirbelsäulenbeschwerden als Kassenleistung. Bei allen anderen Beschwerden ist die Akupunktur eine individuelle Gesundheitsleistung und damit mit eigenen Mitteln zu begleichen.




